Dienstag, 31. Januar 2012

Die Frühstückspremiere!

In unserer Abteilung ist es üblich, dass sich die Geburtstagskinder eines Monats zusammenschließen und für den Rest der Abteilung eine Kleinigkeit vorbereiten - in den meisten Fällen ist das ein Frühstück. Heute Morgen war es mal wieder soweit. Da auch die beiden Kollegen, mit denen ich mir ein Büro teile, im Organisationsteam waren, war es das erste Frühstück, bei dem auch die Anderen teilweise wussten, dass ich vegan lebe. Letztes Jahr war ich noch etwas kompromissbereiter und habe mich bei solchen Veranstaltungen an den Käse gehalten, so auch bei unserem Weihnachtsraclette. Da ich mir für dieses Jahr bzw. für die Zukunft aber vorgenommen habe, solche Ausnahmen zu unterlassen und kompromisslos auf mein Herz zu hören, kam das für mich nicht in  Frage. Zumal ja nun auch mehr Menschen Bescheid wussten und Reaktionen wie Und warum isst Du nun Käse? erst recht vermeiden wollte.
Schon nach dem ersten Organisationstreffen wurde mir mitgeteilt, dass sich die Mitorganisatoren erkundigten, ob es noch andere Vegetarier in der Abteilung gibt und so meine Ernährung zur Sprache kam. Ich war so gespannt, ob sich dieses Wissen nun auch in dem Buffett widerspiegelt, denn es wurde ja ganz offensichtlich gefragt, ob noch jemanden Rücksicht genommen werden muss. Tja, Pustekuchen. Mein Frühstück bestand heute also aus Ciabatta, Baguette, Marmelade, Trauben und Tomaten. Nicht die beste Kombination - vorallem, wenn der Teller dann auch noch von dem einen oder anderen kritisch beäugt wird.
Eine Kollegin fragte mich dann auch noch, ob ich aus Überzeugung vegan lebe. Am liebsten hätte ich geantwortet, dass ich gerne im Mittelpunkt stehe und deshalb meine Ernährung umgestellt habe. Habe ich natürlich nicht getan; sondern höflich gesagt, dass ich nicht denke, dass es sinnvoll ist, dass beim Essen zu besprechen. Nach einem Ach, ich bin hart im Nehmen führte ich dann die männlichen Küken in der Eierproduktion und überzüchtete Kühe mit dauerhaft entzündeten Eutern an; doch ein einfaches Ja als Antwort beendete das Thema dann.
Das Frühstück war heute also leider nicht gerade der angenehmste Teil des Arbeitstages. Zumal ich irgendwie gehofft hatte, dass sich die beiden besagten Kollegen vielleicht ein klein wenig für mich einsetzen. Spätestens nach dem Spruch Ich hab gestern beim Metzger extra gefragt ob er auch vegane Wurst hat war mir aber klar, dass ich mit der Erwartungshaltung Ist eh nichts besonderes für mich dabei auf dem richtigen Weg war. Versteht mich nicht falsch, ich erwarte in einer solchen Situation nicht, dass sich meine Arbeitskollegen Arbeit für mich machen, aber die Hoffnung stirbt halt irgendwie doch zu letzt.
Glücklicherweise kann ich meistens selbst entscheiden, was es zu Essen gibt. Und wenn es mal Abstriche zu machen gibt, dann für wichtige Menschen, und dann tu ich es gerne. Und dabei komme ich ja deswegen nicht zu kurz.
Die letzten beiden Abenden gab fiel die Entscheidung übrigens auf die folgenden Gerichte.


Da die Wirsingblätter doch kleiner als erwartet waren, musste die Anzahl und die Größe der Rouladen etwas reduziert werden. Aus dem restlichen Wirsing, Karotten und Zwiebeln gab es dann dafür eine Gemüse-Sahne-Soße dazu. Die Basis für die Füllung und die Hackbällchen im Hintergrund bildeten sehr feine Sojaschnetzel.


Etwas weniger appetitlich und irgendwie fischig sieht meine Quinoa-Premiere von gestern aus, lecker war es aber allemal. Dazu gab es die Soßenreste von Samstagabend.

Kommentare:

  1. Leider wurde ja die Neugier und Hoffnung noch verstärkt, da man sich ja nach anderen Essensvorlieben der Mitarbeiter erkundigte. Schade nur, dass die Leute scheinbar einfach null Toleranz ihren Mitmenschen gegenüber haben. Dahingehend gibt es wohl immer noch Naive und engstirnige menschen unter uns -. -

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  2. schade. sowas ist wirklich enttäuschend.

    "ich erwarte in einer solchen Situation nicht, dass sich meine Arbeitskollegen Arbeit für mich machen, aber die Hoffnung stirbt halt irgendwie doch zu letzt. "

    ehrlich gesagt - irgendwo würde ich das schon erwarten; denn ich würde mir ja auch gedanken machen, wenn ich weiß dass jmd abei ist, der wg gluten-unverträglichkeit, moslem, nussallergie, diät o.ä. nicht alles essen kann. es ist doch nicht so schwer, ne kleinigkeit zu besorgen... wenn man weiß dass jmd ne nussallergie hat, dann macht man halt nen schoko- statt nen nusskuchen, wenn jmd gluten-unverträglichkeit hat, dann guckt man in der drogerie mal bei den glutenfrei-backwaren, diäthalter kriegen nen rohkostteller, und der veganer kriegt zumindest nen brotaufstrich und man fragt beim bäcker ob er brot/brötchen ohne milch/ei hat.
    genauso wie beim sektempfang auch immer wasser und o-saft gereicht wird, es ist einfach ne selbstverständlichkeit, dass man sich als "gastgeber" um alles kümmert.
    wobei sowas auch oft in die hose geht, "ach, honig isst du auch nicht?" ist mir da leider schon passiert.

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  3. so denke ich auch wenn ich gäste habe - schließlich möchte ich doch, dass sich alle gäste wohlfühlen! andere menschen denken dabei halt aber leider nicht so weit - etwas anzubieten, was ich auch essen möchte, setzt schon voraus, zu wissen, was von den dingen, die angeboten werden, nicht in frage kommen. und das ist meistens leider "zu viel verlangt". man hofft es zwar immer wieder, dass es "gut" läuft, aber "erwartungen" habe ich zur zeit nur noch an die, zu denen ich einen sehr engen bezug habe und so sicher sein kann, dass ihnen mein wohl auch am herzen liegt. ich hoffe irgendwann ist es selbstverständlich, dass jeder ein stück vom kuchen bekommt und nicht nur die, die vermeintlich normal essen...

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